Three Billboards Outside Ebbing Missouri

Selbst Google Earth hätte Mühe, Ebbing Missouri zu finden, wenn es das denn gäbe im Nirgendwo des Mittelwestens. Aus diesem Ebbing führt eine Straße, die kaum noch jemand benutzt, seit es den Freeway gibt. An dieser Straße stehen drei heruntergekommene Werbetafeln, die niemand beachtet. Bis Mildred Hayes, großartig gespielt von Frances McDormand, dort provokante Sprüche anbringen lässt, die die Untätigkeit der Polizei anprangern. Chief Willoughby wird zur Zielscheibe ihres geballten, nachvollziehbaren Zorns. Der ehrenwerte Chief (Woody Harrelson) hat in ihren Augen versagt. Vor Monaten ist ihre Tochter an dieser Straße missbraucht und ermordet worden. Scheinbar foltern die Polizisten lieber Neger in ihren Arrestzellen, als diesen Mord aufzuklären, so Mildreds Vorwurf.

Ziemlich schnell erfahren wir, dass man heute in den USA nicht mehr „Neger“ sagen darf. Der betreffende Officer Dixon (Sam Rockwell) erklärt, dass das jetzt „ Farbige in ihren Arrestzellen foltern“ heißt. Wobei er sich da auch nicht so ganz sicher ist, ob man das sagen darf. Dixon, ohnehin nicht die hellste Leuchte am Baum, trägt seinen Rassismus, die Homophobie und was es sonst so an verquerem Weltbild gibt, ganz unverstellt zur Schau. Die moderne Welt überfordert ihn und seine Mama, bei der er noch immer lebt. Kein Wunder, dass da manchmal seine Aggressionen mit ihm durchgehen. Daran, dass die Polizei das mit dem Foltern doch tut, gibt es wiederum keine Zweifel. Soweit die Ausgangslage in dem eigenartigen Film von Martin McDonagh.

Wenn der Begriff ‚Tragikkomik’ zur Beschreibung eines Films seine Berechtigung besitzt, dann für die Handlung der THREE BILLBOARDS. Man erwischt sich ständig beim verzweifelten Lachen, das aus einem herausbricht, obwohl das Gezeigte ziemlich furchtbar, aber auf jeden Fall absurd ist. Das liegt auch an der befreienden Wirkung der politischen Inkorrektheit der Dialoge. Das tut gut und fühlt sich doch irgendwie merkwürdig an. Jede Rolle im Film ist brillant besetzt und gespielt. Die Nebenhandlungen hätten noch mal eigene Filme verdient. Das wäre Stoff für eine richtig gute Serie. Da gibt es zum Beispiel den lokalen Zwerg (Peter Dinklage, den man auch irgendwoher kennt), der in Mildred verschossen ist. Aber Zwerg darf man, glaube ich, auch nicht mehr sagen. Das heißt doch jetzt Gnom, oder?

Ein anderer Titel für diesen Film wäre auch denkbar: Bericht zur Lage der Nation. Einer Nation, die tief gespalten ist und deren Verunsicherung Phänomene wie Trump möglich macht. Man kann an diesem unscheinbaren Ebbing exemplarisch sehen, in welchem Dilemma das Land steckt und wie tief die Gräben sind. Wenn man das Kino verlässt, ist man sich gar nicht mehr sicher, ob das hier nicht längst auch so ist.

Völlig unerwartet bekommen wir am Ende eine Geste der Verständigung angeboten, wie sie aber eben ziemlich amerikanisch ist. Seht selbst.

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