Resonanzen

In dieser Rubrik findet ihr in unregelmäßigen Abständen kurze Besprechungen von Dingen, die mich beschäftigen. Das können Filme, Bücher, Konzerte oder Ausstellungen, aber auch Orte, Geschehnisse und dergleichen sein. Wenn meine kleinen Geschichten bei Euch Reaktionen auslösen, würde ich mich freuen, von Euch zu hören.

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  • © Gabriel García Márquez

    Wiederbegegnung mit einem alten Freund

    Die Romane, die man in seiner häuslichen Bibliothek stehen hat, sind eine Art intellektueller Tapete. Dabei kann man sie im Wesentlichen in zwei Kategorien einteilen: Zum einen sind da die Bücher, die man mit Begeisterung gelesen hat, die die Leseerfahrung geprägt haben. Man bildet sich ein, man würde sie entweder selbst später noch einmal lesen, sie der Familie, den Freunden, den Kindern empfehlen, was manchmal sogar gelingt, aber ihr eigentlicher Zweck…

  • Wo die Grenze zwischen den Welten dünn wird

    Buchkritik: Donna Tartt, Der Distelfink Auf einem magischen Würfel, den ich im Museumsshop des Mauritshuis in Den Haag erworben habe, erscheint, wenn man ihn richtig zusammensetzt, neben anderen Gemälden das Bild eines Distelfinken, der auf einer schlichten Holzbox sitzt. Gemalt wurde das Bild von dem frühvollendeten Delfter Maler Carel Fabritius. Es zählt in seiner Einzigartigkeit zu den Meisterwerken des Goldenen Jahrhunderts niederländischer Malerei. Jetzt bin ich diesem Bild wiederbegegnet- in…

  • Matthias Brandt, Raumpatrouille

    Matthias Brandt entführt uns in „Raumpatrouille“ in einen Kosmos. Es ist der längst r rloren geglaubte Kosmos der Kindheit. Dabei spielt es kaum eine Rolle, dass es um eine fremde Kindheit geht, die noch dazu von Personen der Zeitgeschichte bevölkert wird. Entzaubert werden die Berühmtheiten ohnehin. Sie tun so seltsam unspektakuläre Dinge wie Fahrrad fahren, Zigarren rauchen oder Kakao trinken. Dass der unbequeme Arbeitskollege des Vaters Wehner heißt, oder der…

  • Die Ferien des Monsieur Hulot oder Ab in die Fluten

    Halt, vor dem Lesen dieses Textes, bitte erst einmal diesem Link folgen und sich in die passende Urlaubsstimmung versetzen lassen. Jedes Jahr die letzte Vorstellung vor der Sommerpause in unserem Filmclub: Manche sind in ihren schon gepackten Autos gekommen. Vor den Sitzreihen der Erwachsenen lümmeln sich die Kinder bei Limonade und Salzbrezeln, während die Erwachsenen mit einem gekühlten Pinot Grigio, Oliven und italienischem Käse die Vorzüge ihrer jeweiligen Urlaubsziele austauschen.…

  • New Yorker

    Mein Englisch bewegt sich, je nach Tagesform, irgendwo zwischen bedauernswert und peinlich. Die Einzigen, die es jemals als  gut beurteilten, waren Franzosen bzw. Kanadier und da weiß ich warum: eine Mischung aus eigener Unkenntnis und Freundlichkeit gegenüber einem Fremden. Demzufolge war es pure Anmaßung von mir, auf das verlockende Angebot eines sehr preiswerten Kurzabonnements inklusive coolem Leinenbeutel des New Yorker einzugehen. Vielleicht hat der Leinenbeutel den Ausschlag gegeben. Das ist…

  • 25 Hours – Come as you are

    Wenn man regelmäßig unterwegs ist spielt es eine gewisse Rolle, wohin man sein Haupt bettet. Um das vorweg zu sagen, nein, ich werde nicht vom Hotel gesponsert, so wie das hier auf dieser Seite auch nie der Fall sein wird. Es ist immer meine eigene ehrliche Meinung, auch wenn das Lob, so wie in diesem Fall,  fast ungebrochen ist. Will man sich unter fremden Dächern wohlfühlen, gibt es zuerst ein…

  • Krachbum auf die weibliche Art

    Wonder Woman, USA 2017 Da sage noch einer, Frauen können so etwas nicht. Das was Regisseurin Patti Jenkins und Hauptdarstellerin Gal Gadot mit „Wonder Woman“  abliefern, ist richtig gut gemachter Genretrash, bei dem man einiges an Spaß hat hinter seiner 3 D Brille. Allerdings nur wenn man bereit ist, sich auf eine Geschichte einzulassen, die nicht immer den Regeln der Logik , aber denen des Comics stilsicher folgt. Die Marvel…

  • Berlin – die Stadt

    Gerade eben in dieser Funktion erwachsen geworden, versucht Berlin wie ein junger Bär- tapsend- seine Rolle unter den europäischen Hauptstädten zu finden. Nicht so reich wie London – wohl eher das Gegenteil. Nicht so kultiviert wie Paris – wir sind in Deutschland! Nicht so historisch wie Rom – woher auch (außerdem haben die Jungs mit den schmalen Oberlippenbärten in Sachen Zerstörung ganze Arbeit geleistet). Nicht so viel Schmäh wie Wien…

  • Born to be blue

    Dämonen und Schmerz beherrschten das Leben des Chet Baker. Um die Dämonen im Zaum zu halten, greift er zur Trompete. Die Töne, die er dem Instrument entlockt, sind himmlisch und fördern gleichzeitig neue Dämonen und neuen Schmerz zutage. Als die Liebe nicht mehr imstande ist, ihn an der Oberfläche des Lebens zu halten, greift er zur Nadel. Wie das ausging, ist ebenso bekannt, wie geheimnisvoll. Der kanadische Regisseur Robert Budreau…